Published Manuscript

Zur freideutschen Bruderschaft

EA 26/05

Additional Information
Author Eberhard Arnold
Date October 01, 1926
Document Id 20126083_18_S
Available Transcriptions German

Zur freideutschen Bruderschaft

[Arnold, Eberhard and Emmy papers - P.M.S.]

EA 26/5

Die Wegwarte, Oktober 1926

Zur freideutschen Bruderschaft

In unserer heutigen Nummer geben wir einem unserer Freunde aus der jüngsten Generation das Wort, der in seinem Aufruf „Zur freideutschen Fahne“ für eine „werdende freideutsche Bruderschaft“ wirbt. Wir sollen uns an jedem neuen Verstoss freuen, in dem die Jüngsten unter uns von neuem den Weg zu gewinnen suchen und mit allen denen in Gemeinschaft zu kommen trachten, denen sie Weisung, Klärung und Förderung verdanken. Durch eine solche Neugründung soll und darf nichts gestört oder gar aufgehoben werden, was an anderen verantwortlichen Zusammenschlüssen noch lebendig ist.

Der freideutsche Werkbund ist mir die Möglichkeit einer Zusammenfassung aller deutschen Menschen, die in Freiheit aus dem Willen zur Wahrheit auf Gestaltung und Arbeit im Dienste aller Menschen dringen. Er soll mehr und mehr allen Suchenden und Kämpfenden offen stehen, allen denen, die auf die führenden Geister der Vergangenheit und auf das Geheimnis der Gemeinde hören wollen, die sich dem Geist der Schöpfung und Neuschöpfung, dem Geist der Einigung der Gemeinschaft und des gemeinsamen Werkes öffnen wollen. Deshalb rechne ich mich mit unserer Lebensarbeit zum freideutschen Werkbund. Die jetzt sich bildende freideutsche Bruderschaft will als selbständiger Kampfgenosse dem Werkbund zur Seite treten. Sie bekennt sich zu Christus als ihrem Führer zur Brüderlichkeit. Das Freideutschtum ist die im deutschen Idealismus wurzelnde, vor Gott stellende, uns jetzt gegebene Erneuerung der uralten Gewissensforderung der Wahrhaftigkeit, der Freiheit und Lebensgestaltung. Nur so ist es zu verstehen, dass in dem Aufruf „Zur freideutschen Fahne“ nur in der Erfüllung dieser Gewissensforderung Lebensgestaltung und Kultur gesehen wird. Die freideutsche Bruderschaft ist in dem Kampf um die Wahrhaftigkeit und Freiheit zur Einsicht unserer Unwarhhaftigkeit und Unfreiheit gelangt und findet in Christus und in der von ihm gegebenen Bruderschaft die Erfüllung ihres Suchens. Letzlich ist also die „Bruderschaft“, die

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hier der dämonischen Gewalt der Zersplitterung entgegengesetzt wird, durchaus nicht etwa diese neue Vereinigung einiger Menschen. Nur soweit die Gemeinde Christi, der Geist Gottes selbst in ihr wirksam wird, wird man hier von Erfüllung und von Werkleuten Gottes sprechen können. Vor allem muss von vornherein jede Vermischung oder gar Verwechslung zwischen dem durchaus menschlich, zeitlich beschränkten und belasteten freideutschen Zusammenschluss und der von Christus kommenden Bruderschaft, also jeder Bindestrich zwischen Christ und Freideutsch abgelehnt werden. Wohl aber kann und soll hier das freideutsche Gewissensringen in die Geistes-Gemeinde Christi münden und aufgehen. Deshalb ist der Kreis dieser Bruderschaft eng gezogen auf die beschränkt, die in ihren Gewissenskämpfen die Stimme und den Ruf Christi als das Entscheidende erkannt haben. Umso mehr bleiben sie mit allen denen eins, die in denselben Gewissenskämpfen an einem anderen Platze stehen. „Nur sollte sich ein jeder solcher Kreis hüten, in die Wirrnis des heutigen Kultur-Chaos vertrickt zu werden, in dem man – ohne es zu ahnen – auf ganz verschiedenem Boden gewachsene Geistesrichtungen mit einander vermengt und so der Stillosigkeit der Zeit Vorschub leistet.“